Die Zeiten ändern sich – und mit ihnen die Rahmenbedingungen für die IT. Der wirklich innovative IT-Leiter schafft sich zuerst selbst ab, um sich dann neu zu erschaffen.

Der IT-Leiter hat im Laufe der Jahre schon einige Rollen eingenommen. Galt er in den Anfangsjahren der IT geradezu als Heilsbringer, so verblasste sein Ruhm als Optimierer und Zentralisierer in den 2000er Jahren zunehmend. Dieser Weg hat die IT zunehmend von der Organisation, für die sie arbeitet, isoliert, eine Art Staat im Staat werden lassen.

Nachdem mittlerweile alles zentralisiert, homogenisiert und virtualisiert ist,  fragt man sich, wie es wohl weitergehen mag. Überall steht die Cloud vor der Tür – und die Frage ist, wie lange sich ein Unternehmen noch eine eigene IT leisten will beziehungsweise kann. Das Outsourcing-Gespenst geht um. Angst vor Outsourcing ist aber nicht der beste Nährboden für Innovation, denn Innovation braucht Freiräume. Und Angst macht nicht frei, sondern engt

Wozu braucht man noch einen IT-Leiter?

Wenn aber die Cloud der nächste Schritt ist, darf man fragen, wozu man eine eigene IT braucht? Und wenn man schon die interne IT in Frage stellt – wozu braucht man dann noch einen IT-Leiter? Den CIO as a Service gibt es mittlerweile auch schon.

Durch die Abkapselung der IT nahm vor allem die interne Kommunikation Schaden. Die Unternehmenslenkung sah die IT zunehmend als Cost- und Profitcenter. Kennzahlen wurden herangezogen und mit anderen Unternehmen verglichen. Stellenabbau war oft die Folge.

Heute soll dieselbe IT, dezimiert, zentralisiert und optimiert, die Unternehmen ins Zeitalter der Digitalisierung führen – die Frage ist nur: Mit wem und vor allem wie? Hat die IT doch verlernt, die eigentlichen Unternehmensziele und deren Umsetzung zu verstehen. Oder kennen Sie einen IT-Leiter, in dessen Zielvereinbarung ein Umsatzziel steht? Kein pauschales, sondern eines mit Kennzahlen und Reporting, das seinen Betrag explizit misst?

Aus den Unternehmenszentralen hört man, dass man auf dem Weg dorthin sei. In der Realität allerdings zeigt sich ein anderes Bild: Projekte über Projekte. Der Investitionsstau zwingt die Unternehmen, viel Geld in die Hand zu nehmen und Ihre Prozesse zu digitalisieren. Die IT steht einmal mehr unter massivem Druck. Die oftmals sehr dünne Mitarbeiterdecke reicht hinten und vorne nicht, die Fluktuation nimmt zu.

Brandbekämpfung statt Strategie

In der Regel verlassen qualifizierte Mitarbeiter das Unternehmen – und die Besten gehen zuerst. Wenn etwas nachkommt, stimmt die Qualität oft nicht beziehungsweise muss teuer erkauft werden. Von der Umsetzung einer klaren Strategie ist man hier weit entfernt. Brandbekämpfung darf man das schon eher nennen.

Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Auch wenn die Situation alles andere als komfortabel ist: Ein IT-Leiter sollte sich nicht hinter der Argumentation verstecken, er habe zu wenig Ressourcen, zu viele Projekte oder zu wenig Zeit. Dazu ist das Thema Digitalisierung zu wichtig, seine Folgen zu weitreichend.

Das plötzliche Auftreten revolutionärer Technologien hat die IT-Organisationen unvorbereitet getroffen. Sie haben nicht genügend Zeit, sich über eine maßvolle Integration wieder mit dem Rest des Unternehmens zu verknüpfen. Dieser Mangel hat zu Verwirrung darüber geführt,

  • wer wirklich für die Rentabilität von Technologieinvestitionen verantwortlich ist,
  • wie viel Einfluss IT-Führungskräfte auf die Geschäftsstrategie eines Unternehmens haben sollten
  • und ob CEOs nicht besser Chief Digital Officers einstellen sollten.

Damit der IT-Leiter nicht zwischen der aktiven Gestaltung der Zukunft und seinen aktuellen Aufgaben aufgerieben wird, macht es für ihn Sinn, sich auf seine Stärken zu besinnen und diese zu stärken. Das betrifft die Technologie und sicher auch das Projektmanagement.

„Digitalisierungslandkarte“ erstellen

Zunächst sollte sich der IT-Leiter eine „Digitalisierungslandkarte“ erstellen. Dazu muss er den Dialog zu Fachbereichen suchen, um deren Prozesse und Ziele zu verstehen. Er muss sich ein Bild machen, wo die IT heute bereits die Prozesse unterstützt und wo dies in Zukunft zu erfolgen hat. Hierzu dienen gut moderierte Workshops mit allen Fachbereichen. Deren Moderation sollte von Profis übernommen werden, um Zielsetzung und -erreichung sicher zu stellen.

Es geht um Themen wie Wertstrom-Analyse, mit der sich Prozesse in ihrem Ist- Status übersichtlich darstellen lassen. Ein Wertstrom umfasst sämtliche Arbeiten und Aktivitäten, die notwendig sind, um einen Auftrag zu erfüllen. Der Wertstrom beginnt also beim Kunden und endet bei diesem. Der Kunde kann hierbei intern oder extern sein.

Die Anforderungen an die IT-Abteilung werden von Fachbereich zu Fachbereich unterschiedlich sein. Hier gilt es anzusetzen. Gemeinsam mit den Fachbereichen (den internen Kunden) gilt es, den Prozess in Bezug auf die externen Kunden zu gestalten.

(Quelle: sixsigmablackbelt)

Die zukünftig angebotenen Services müssen transparent, verständlich und vor allem messbar für den Kunden sein. Und das intern und extern. Die komplette Kette muss messbar werden.

Erstes Ziel ist es, die IT zurück ins Unternehmen zu führen.

Der IT-Leiter muss die Prozesse unterstützen, in die Abteilungen eintauchen und einen Dialog starten, um Teil des Erfolges zu werden. Nur auf dieser Basis lassen sich neue Metriken und KPIs erstellen, mit denen sich die Leistung der IT messen und zuordnen lassen. Dazu bedarf es einer IT, die hierfür angepasst ist.

Das Engagement mitgestaltender Mitarbeiter ist erfolgskritisch

Wesentlicher Faktor: In aller Regel sind weder die Mitarbeiter noch die Führungskräfte automatisch mit einer hohen Veränderungsbereitschaft „gesegnet“. Wichtig ist deshalb, die Rahmenbedingungen für Veränderung zu schaffen. Sonst entsteht Widerstand statt Akzeptanz. Dem Engagement mitgestaltender Mitarbeiter kommt in Zukunft eine erfolgskritische Bedeutung zu.

Die für die digitale Arbeitswelt notwendigen Qualifikationen müssen erarbeitet werden. Deshalb sollten alle Mitarbeiter frühzeitig in die Projekte, Aufgaben und Prozesse eingebunden werden, um praktische Erfahrungen mit der Digitalisierung sammeln zu können.

Wie verschafft man sich nun die notwendigen Freiräume, um die Aufgabe anzugehen?

Digitalisierung bedeutet letztlich den Einsatz von Softwarelösungen. Daher darf und muss man die Frage stellen, was mit den Basis-Services passiert. Man kann nicht in alter Gewohnheit für jede neue Digitalisierungslösung erst eine technische Infrastruktur und Betriebsverfahren aufbauen. Das macht weder flexibel noch agil. Ein Ausweg sind Cloud-Services. Sie stellen eine sehr flexible Alternative oder zumindest Ergänzung zu den inhouse implementierten Lösungen dar.

Natürlich gibt es noch technische Hürden zu nehmen. Die Umstellung auf eine service-orientierte Software-Architektur (SOA) ist dabei eine der größten. Der große Vorteil des SOA-Konzepts ist: Bei Änderungen im Geschäftsprozess muss nicht sofort in eine neue IT-Lösung investiert werden, es muss lediglich die Kombination der Services angepasst werden.

Mehr Flexibilität und Agilität

Dies macht Unternehmen insgesamt wendiger und flexibler und verschafft ihnen so einen Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb. Mit Microservices und BPE (Business-Process-Engine) scheint nun der Durchbruch zu gelingen. AWS, Azure und weitere Cloudcomputing-Ansätze zeigen den Weg auf. Die Nutzer solcher Lösungen setzen bereits Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS) ein. Ein Schritt zu mehr Flexibilität und Agilität.

Sind die Hausaufgaben gemacht und Architektur sowie Prozesse untersucht, fallen die Entscheidungen leichter.

Der IT-Leiter wird Architekt, Planer und Lenker. Seine Stärken liegen in seiner Kreativität und seinen Führungsqualitäten. Innovation, technischen Sachverstand und Spirit hat er schon im eigenen Haus. Er sollte seine Mitarbeiter einbeziehen und sie als Unternehmer im Unternehmen trainieren.

Hat er die Handlungsfelder entdeckt, kann er sie gezielt schließen. Eines ist er sicher nicht mehr – ein Ja-Sager.

Fazit: Der wirklich innovative IT-Leiter schafft sich zuerst selbst ab, um sich dann neu zu erschaffen.