Wir schreiben das Jahr 2017, und es erfolgt ein erster Abgesang auf das Smartphone. Was soll da noch kommen? Das Smartphone ist ausentwickelt.

Apple und die Konkurrenz versuchen mit VR oder AR zu punkten, und ansonsten gipfeln die Neuerungen in höherer Leistung, längerer Nutzungszeit und besserer Optik.

Keine wirklichen Quantensprünge. Das Smartphone hat dem Nutzer eine Bequemlichkeit beschert, die immer neue Begehrlichkeiten weckt. Diese Bequemlichkeit, neudeutsch „convenience“, ist der eigentliche Treiber.

Was nimmt dem Nutzer noch mehr Arbeit oder Arbeitsgänge ab? Brauche ich als Kommunikationsmittel überhaupt noch ein Endgerät wie das Smartphone oder sollte ich nicht überall in der Lage sein, mein jeweiliges Anliegen auch ohne spezielles Gerät loszuwerden?

Zerlegt man ein Smartphone in seine essentiellen Komponenten, so bleibt eigentlich nur ein Minicomputer mit Display, Kamera- und Telefoniefunktion übrig. Die Frage, wie sich diese Funktionen bei Bedarf und über unterschiedlichste Interfaces bereitstellen lassen, wird langsam aber sicher den Wandel bringen. Und schon bereitet sich die Branche der Daten-Riesen auf die nächste Welle vor – den Digitalen Assistenten.

Die digitale Führungsriege will´s wissen

Apple war mit SIRI der Vorreiter und entwickelt seine Ideen stetig weiter. Haben ihn anfangs viele sicher nur als Gimmick gesehen, etabliert sich der Assistent immer mehr zum Helfer in allen Lebenslagen: Google tüftelt an Lösungen (Google Now), Facebook (M) forscht mit Nachdruck in diesem Bereich und auch Microsoft (Cortana) und Amazon (Echo) scheinen sich hier besonders viel vorgenommen zu haben. Es darf als sicher gelten, dass die Innovationskraft – und die schiere Finanzpower – der digitalen Führungsriege bald vorzeigbare Ergebnisse zeitigen wird.

Der Schlüssel zu den neuen Welten ist „künstliche Intelligenz“ (KI) oder „artificial intelligence“ (AI). KI/AI ist Software und somit grundsätzlich unabhängig von Betriebssystemen oder Plattformen.

KI soll es uns recht machen. Nicht mehr tippen, sondern sprechen – schon die erste Aufgabe stellt die Programmierer vor große Hürden. Die Sprachanalyse ist schon auf einem guten Niveau, aber mit der Umsetzung des Sprachbefehls in Aktion hapert es zum Teil gewaltig. Die Befehle dürfen nur in einer bestimmten Form und mit speziellen Kommandos gegeben werden. Das erinnert doch stark an die Anfänge der Computerei mit COBOL und Konsorten.

Noch läuft die Sache unrund

Auch ansonsten sind Kommunikationsbrüche eher die Realität. Also noch ein weiter Weg, bis mich ein zukünftiger „Assistent“ anhand meiner Stimme und  meiner biometrischen Merkmale sicher aus der Masse heraus identifiziert – und dann auch noch das von mir Gewünschte akkurat und problemlos ausführt.

Zumal es derzeit doch vor allem noch an den hinter den „Frontends“ liegenden Automatismen mangelt: Soll der Assistent mir etwas besorgen, so benötigt er auf der anderen Seite jemanden, der darüber mit sich reden lässt. Aber die Industrie hat auch hier einen Plan. Sind die größeren Szenarien und Standards noch nicht soweit, dringen wir erst einmal in den „Mikro“-Kosmos des Nutzers ein.

Da freut man sich schon, wenn man für ein paar hundert Euro sein Licht per Sprachbefehl ein- oder ausschalten kann. Oder wenn im Auto nach einem Unfall automatisch ein Notruf abgesetzt wird – eine Funktion, die bei Alarmanlagen schon seit Jahrzehnten funktioniert.

Die Industrie verkauft gerne an der Maslowschen Bedüfnispyramide entlang von unten (Gesundheit und Sicherheit) nach oben (Luxus) und hofft auf den Neidfaktor des Nachbarn als Kaufanreiz.

Apps sind nur ein Zwischenschritt

Aber egal: Allen Unkenrufen zum Trotz – der Trend zum digitalen Assistenten lässt sich nicht mehr aufhalten.

Mit IoT steigt der Grad der vernetzten und damit prinzipiell ansprechbaren Gegenstände exponentiell. Die Datenmengen, die Besitzer eines Smartphones oder einer Smart Watch schon heute sammeln können, sind gigantisch. Entsprechende Apps gibt es viele, und die Vernetzung mit anderen Nutzern war nur der erste Schritt.

Viele Apps geben ihrem Nutzer heute schon mehr oder weniger sinnvolle Tipps, sind aber in aller Regel nicht adaptiv genug. Apps sind deshalb nur ein Zwischenschritt. In Zukunft werden weitere Informationen zum Beispiel aus dem Fahrzeug, aus dem Büro, aus dem Fitness-Studio miteinander abgeglichen und dann einem Trainer (oder digitalen Assistenten) zur Verfügung gestellt. Rein statistisch ist der digitale Assistent im Vorteil, hat er doch die größere Vergleichsmenge als der Trainer.

Immenser Nutzen

Der Nutzen für den Einzelnen kann immens sein. Er kann neben seiner Sitzeinstellung im Fahrzeug auch die des Bürostuhls übermitteln und sich daraus ein optimiertes Trainingsprogramm mit kontinuierlicher Überprüfung ableiten lassen. Der Fahrzeughersteller und der Hersteller des Bürostuhles werden die Daten nutzen, um die Sitzeinstellung immer optimal und in Echtzeit an die aktuelle Situation anzupassen.

Aber das ist noch nicht das Ende. Der digitale Assistent wird adaptiv sein und weitere Optimierungsmöglichkeiten für das persönliche Profil heraussuchen. Je genauer er von mir lernt, je besser er mich „versteht“, umso besser kann er mich unterstützen. Das bedeutet in der Regel eine Menge Arbeit für den Nutzer. Sind die Daten im System, kann er beginnen, über entsprechende Algorithmen sein Verständnis zu optimieren.

Aktuell versuchen die digitalen Assistenten den Nutzern die Arbeit der Ersteinstellung abzunehmen. Was für ein Schwachsinn. Keinen Menschen gibt es zweimal. Aktuell gibt es auch keine Möglichkeit gute, nutzbare Vergleichsprofile einzusetzen, das wird noch dauern. Dafür gibt es viele unzulängliche digitale Assistenten, die im Nebel stochern.

Sobald dies in ein vernünftiges Verhältnis kommt, werden die digitalen Assistenten echten Mehrwert bringen. So könnten fundierte Vorschläge für eine gesündere Ernährung zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen und eine aktivere Lebenseinstellung fördern. Das öffnet Tore.

Flexiblere Geschäftsmodelle entstehen

Digitale Assistenten sind auch für andere interessant, zum Beispiel für die Versicherungswirtschaft. Diese rüstet seit längerem massiv um, hin zu individuellen, schnell und gut abschätzbaren Risiken und weg von den großen Massenversicherungen. Das Geschäftsmodell wird flexibel.

Dieser Trend hat eben erst begonnen. In Zukunft werden die Versicherer versuchen, ein auf jeden Kunden individuell zugeschnittenes Angebot zu platzieren, das umso lukrativer wird, je mehr der Kunde das Unternehmen mit Informationen versorgt. Das ist bis zu einem gewissen Grad ja auch in Ordnung. Digitale Assistenten werden in der Kommunikation zwischen Versicherung und Versichertem eine große Rolle spielen, da die Zahl der Interaktionen drastisch zunimmt.

Im Bereich der Metropolen und Mega-Cities entstehen aktuell und mit hoher Dynamik Modelle mit dem Ziel, das enorme Wachstum und die damit einhergehende Ressourcenvernichtung zu reduzieren. Energie, Müll und Verkehr sind nur die Spitze des Eisberges. Mit IoT lassen sich hierfür große und dennoch vergleichsweise kostengünstige Modelle realisieren.

Der Assistent lenkt Personen und Systeme

Mit welchem Verkehrsmittel / welchen Verkehrsmitteln ich morgens am besten ins Büro komme,  empfiehlt mir dann ein digitaler Assistent. Er kann die Flut an Informationen für mich aufbereiten und die Auslastungsgrade von Straße, Schiene, Luft oder Wasserweg live bewerten. Er kann Spitzen glätten, indem er Verkehrsströme steuert. Dazu benötigt er Zugriff auf zentrale Systeme von Stadt und Kommunen.

Er soll dann aber auch in Echtzeit die Buchungen vornehmen und mich bis zum Arbeitsplatz routen. Arbeitsverträge werden flexibilisiert, damit die Auslastungsgrade von Verkehrs- und Büroflächen optimiert werden kann. Große Aufgaben, die derzeit in vielen Großstädten in Angriff genommen werden – es hat also erst begonnen.

Der digitale Assistent wird, einhergehend mit dem Grad der Vernetzung, eine immer wichtigere Rolle für uns spielen. Daten müssen für uns automatisiert ausgelesen, strukturiert und ausgewertet werden. Entsprechend unserer Vorgaben werden dann Routinen ablaufen und uns wichtige Zeit sparen.

Hier finden wir dann auch den Ansatz von künstlicher Intelligenz wieder. Die Auswertung der Daten und die auf mein Profil abgestimmten Aktionen müssen immer wieder angepasst werden.

Bis zu welchem Grad wir dies wollen und zulassen, bleibt uns selbst überlassen. Und wie immer ist der Aufbruch in neue Gefilde nicht ohne Gefahren. Die Vernetzung wie die künstliche Intelligenz bringen Risiken mit sich. Zum einen systembedingt, zum anderen aber auch durch Menschen, die Sicherheitslücken nutzen werden um sich auf Kosten anderer zu bereichern. Auch sie werden künstliche Intelligenz einsetzen, um schneller und effizienter zu sein. Aber das ist nichts Neues, so war es schon immer.